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Als unser Vorfahr Johann Christian GANSER mit 103 Jahren starb, wurde dessen nicht unbedeutendes Vermögen unter seinen 6 Töchtern mittels Los aufgeteilt. Jedes Erbteil wurde mit einem Buchstaben versehen. Maria Theresia GANSER zog das Los mit dem Buchstaben welcher für's "Weiße Rößl" vorgesehen war. Dessen Tochter Josefa heiratete unseren Urururgroßvater Johann Nepomuk TSCHÖLL, und brachte diesen Besitz in die Ehe mit.
Damals lastete auf diesen Besitz noch folgendes Servitutrecht: Jedes Jahr zu Weihnachten mußten 30 arme Leute ein Geschenk erhalten. Dieses Geschenk bestand aus einem Maß Salz, damals sehr rar und teuer, und einem Kilogramm Fleisch. Das Servitut wurde erst von unser Urgroßmutter Elisabeth VON AVANZINI, im Jahre 1902 abgeschafft.
Die Bezeichnung "Weißes Rößl" geht weit zurück. 1405 wird es zum ersten Mal als Herberge und Auswechselstelle für Pferde erwähnt. Heute noch nennen wir einige Räume mit den alten Namen wie: Roßstall, Fuhrmannsstube usw.
Girlan war früher ein sehr bekannter Weinort, und mehrere Weinkellereienbesitzer kamen zu ansehnlichen Vermögen. Mit der Teilung Tirols im Jahre 1919, wurde unser Weinhandel, der vor allem in Nordtirol seine Kundschaft hatte, aufgegeben. Aus alten Aufzeichnungen geht hervor, daß "1855 schon 20 Gäste zur Traubenkur im "Weißen Rössl" logierten und sich fast ausschließlich von Traubensaft ernährten damit die Kur ja Erfolg hatte."
Das bedeutenste Ereignis in Girlan bis weit nach dem 2. Weltkrieg war der jährliche Vieh- und Krämermarkt. Dieser Markt war allgemein unter dem Namen "Jüngstes Gericht" in ganz Tirol bekannt. Heute wird dieses Treiben Martinimarkt genannt und wird jedes Jahr am 11. November veranstaltet. Im Jahre 1863 besuchte diesen Markt der Habsburger Erzherzog Heinrich, der auch bei uns einkehrte und die Spezialitäten des Hauses genoß. Ein anderer bekannter Gast der zum Martinimarkt öfters in Girlan weilte, war der Pseirer Gastwirt, Wein- und Viehhändler, Andreas HOFER. Er ging in die Geschichte als Tiroler Freiheitskämpfer ein. Sein Stammplatz war der Rundtisch, in unserer alten Gaststube, wo er seine Mahlzeiten verzehrte und rege Diskurse führte.
In einem vor mehr als 100 Jahren gedrucktem Reisebuch, können wir einen bemerkenswerten Absatz über unseren Urgroßvater Josef Engelbert TSCHÖLL Sohn des Josef Johann Martin TSCHÖLL und der Katharina HELLRIGL lesen. Folgendes steht geschrieben:
"Zur Ausfüllung des Rahmens wollen wir übrigens doch von den bemerkenswerthen Personen und hervorstehenden Oertlichkeiten dieser Landschaft doch einiges erzählen. Zu den erstem ist in gewissem Sinne der Rösselwirth Josef Tschöll von Girlan zu rechnen, welcher der glorreichen Tapferkeit, die die Deutschen im letzten Kriege bewiesen, seine Anerkennung dadurch zu bezeigen suchte, daß er an der Wand seines Hauses, die gegen den Garten geht die "Helden von 1870" und zwar den deutschen Kaiser, den Kronprinzen, den Prinzen Friedrich Karl und den Feldmarschall Moltke in Fresko malen ließ. - nicht ohne mancherlei Anfechtung, die er aber nicht ungeschickt zurückzuweisen pflegte. Kommt z.B. ein k.k. "Militarist" und beschwert sich über diese Bevorzugung der Preußen, so sagt ihm der Rösselwirth: "Ich warte nur bis ihr auch so einen Feldzug zuwege bringt, dann lasse ich euch herzlich gerne gleichfalls aufmalen." Murrt ein Kleriker darüber, daß die dargestellten Heroen lauter Protestanten seien, so spricht der alte Schalk: "Wenn ihr Herren nicht gleich zufrieden seid, so kommt der Bismarck auch noch hinauf." Mit dieser Verteidigungsweise hat sich der Rösselwirth bisher glücklich durchgefochten."
Sohn des Josef TSCHÖLL war unser Großvater Richard TSCHÖLL der sich mit Franziska Fischer verehelichte. Sein Sohn Siegfried war unser Vater, der sich 1931 mit Marianne VON EGEN - THURNSTEIN vermählte. Aus dieser Ehe entsprossen 4 Kinder: Sieghildis, Elmar, Wilfried und Norbert. Als unser Vater 1972 starb, ging der Besitz an seinen ältesten Sohn Elmar über, der sich 1980 mit Margarete KERSCHBAUMER aus Girlan vermählte und aus dessen Verbindung schon die 7. Generation herangewachsen ist, Birgit und Kathrin.
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